Mobilfunk Ärzteappell Allgäu-Bodensee-Oberschwaben
12.02.2007
Mobilfunk Ärzteappell Allgäu-Bodensee-Oberschwaben [100 KB]
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Mobilfunkstrahlung wird derzeit kontrovers diskutiert. Immer mehr Ärzte beziehen öffentlich Stellung, denn die Kompetenz in Gesundheitsfragen liegt in unseren Händen. Prof. Dr. med. Eckel forderte schon im Jahr 2000 als Vorsitzender des Ausschusses Umwelt und Gesundheit der Bundesärztekammer: „Wir müssen die Grenzwerte unserem jüngsten Kenntnisstand anpassen.“ 19 unabhängige Wissenschaftler aus 13 Ländern hatten sich 1999 auf dem Salzburger Symposium dafür ausgesprochen, die in Deutschland und der EU geltenden Grenzwerte auf einen Bruchteil zu reduzieren („Salzburger Vorsorgewert“). Prof. Eckel: „Die Bundesärztekammer hat sich dieser inSalzburg gefassten Resolution angeschlossen.“
Sowohl im Freiburger (2002) wie auch im Bamberger Appell (2004) und weiteren Appellen von Hunderten von Ärzten wurde über eine Häufung bestimmter Symptomkomplexe im Zusammenhang mit Mobilfunkfeldern berichtet: sei es durch räumliche Nähe zu Mobilfunksendern, sei es durch intensive Handynutzung, sei es durch ein schnurloses (DECT)-Telefon zuhause oder am Arbeitsplatz. Es werden Symptome wie Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Kopfschmerzen und Migräne, Schwindel, Hörstörungen und Tinnitus, Blutdruckentgleisungen und Arrhythmien, chronische Erschöpfung, innere Unruhe, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern (u.a. ADHS) beobachtet. InStudien wird zudem über eine signifikante Zunahme von Tumorerkrankungen bei Exposition durch Mobilfunkfelder berichtet.
Es gibt viele unabhängige Studien, welche die biologische Wirkung von Mobilfunkfeldern belegen (u.a. Öffnung der Blut-Hirnschranke, Störung des Immunsystems, Gentoxizität: DNA-Doppelstrangbrüche). Leider wird bei den Grenzwerten, bei deren Festlegung die Ärzteschaft nicht beteiligt war, nur die thermische Wirkung der Mobilfunkfelder berücksichtigt. Über die konkreten Auswirkungen von Mobilfunkfeldern auf den Menschen existieren kaum Untersuchungen. Die von Hausärzten durchgeführte Studie im oberfränkischen Naila zeigte alarmierende Ergebnisse, ebenso die TNO-Studie der holländischen Ministerien. Die Ergebnisse dieser Studien sind in beiliegendem Anhang (rückseitig) zusammengefasst. Auf Wunsch informieren wir Sie gerne ausführlicher. Uns geht es nicht darum, die neue Technologie abzulehnen, sondern um eine Reduzierung der Mobilfunkfelder auf das notwendige Minimum. Wir Ärzte fühlen uns verpflichtet, die Bevölkerung über die gesundheitlichen Risiken aufzuklären.
Aus diesem Grunde schließen wir uns den Forderungen unserer Kollegen in den bestehenden Ärzteappellen an und bitten Sie, unser Anliegen mit Ihrer Unterschrift zu unterstützen.
Mit freundlichen Grüßen
Anlagen: ● Studienübersicht (Rückseite), ● Appell, ● Rückmeldeformular
Dieser Appell richtet sich außer an Ärzte auch an andere im Gesundheitswesen Tätige.
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Einige Studien zum Thema Mobilfunk
1.) Reflex-Studie (2000-2003)
Studie der EU mit 12 Forschergruppen aus 7 Ländern zur Wirkung gepulster elektromagnetischer Felder auf menschliche Zellkulturen.
Ergebnis: Es gibt signifikante gentoxische Effekte auf menschliche Zellkulturen bei Feldstärken von Mobilfunkfeldern in der Stärke wie sie von bisherigen GSM-Handys erzeugt werden. Das kann ein erhöhtes
Krebsrisiko und verstärkte Zellalterung bedeuten.
(Quelle: Dr. med. univ. Gerd Oberfeld: Aktuelle medizinische Erkenntnisse zu GSM und UMTS – aus dem Tagungsband der 3. EMV-Tagung des VDB e.V. 1./2. April 2004 in Würzburg)
Stellungnahme: Erik Huber, Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer Wien: „Würden Medikamente die selben Prüfungsergebnisse wie Handystrahlung liefern, müsste man sie sofort vom Markt nehmen.“ Die Wiener Ärztekammer gab daraufhin einen Leitfaden für den kritischen Umgang mit Handys heraus.
2.) Swedish National Institute for Working Life, Universitätsklinik Örebro (Schweden, 2006)
Umfassende Studie zum Risiko, an einem gutartigen Hirntumor zu erkranken beim Gebrauch von Mobil- und Schnurlostelefonen (1254 Personen, die an e. Akustikusneurinom, e. Meningeom oder e. anderen gutartigen
Hirntumor zwischen 1997 und 2003 erkrankten im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe von 2162 Personen - im Alter von 20-80 Jahren).
Ergebnis: Das Hauptergebnis der Studienanalyse war für Vieltelefonierer (vor allem bei gesamt mehr als 1000 Stunden Telefonie) ein erhöhtes Risiko, an einem Akustikusneurinom zu erkranken; das Risiko war
signifikant erhöht beim Gebrauch von digitalen Handys und Schnurlostelefonen. Das Risiko für einen gutartigen Hirntumor war am höchsten für die Kopfseite, an der telefoniert wurde.
(Quelle: International Journal of Oncology 28: 509-518, 2006)
Stellungnahme: die Studienleiter Hardell, Carlberg und Mild formulieren abschließend: „Aus diesen Ergebnissen muss geschlossen werden, dass die aktuellen Grenzwerte für Mobilfunkfelder, die (nur) die thermischen Wirkungen berücksichtigen, der Realität nicht gerecht werden“.
3.) Naila –Studie (1994 – 2004)
5 Hausärzte der ostfränkischen Stadt Naila beobachteten bezüglich 967 Patienten über einen Zeitraum von 10 Jahren das Risiko der Krebsneuerkrankungen. Dabei verglichen sie einen „Nahbereich“ um eine bisherige GSM-Mobilfunksendeanlage von 0-400 m Abstand gegenüber dem Fernbereich >400 m Abstand zur Anlage.
Ergebnis: In den ersten 5 Jahren gab es keine signifikanten Unterschiede in den Vergleichsgruppen. In den nächsten 5 Jahren gab es im Bereich unter 400 m eine signifikante Zunahme der Krebsrate um das 3fache sowie ein um 8,5 Jahre geringeres Erkrankungsalter.
(Quelle: umwelt-medizin-gesellschaft 17 4/2004)
Stellungnahme: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): „Trotz vorhandener Schwächen der Naila Studie wird der Einzelbefund eines möglicherweise dreifach erhöhten Krebsrisikos vom BfS ernst genommen“.
4.) TNO-Studie (2003) zur UMTS-Technik
Studie dreier holländischer Ministerien (Gesundheit, Umwelt und Technik) zur biologischen Wirkung in der Umgebung von UMTS-Basisstationen. 15 Personen wurden einmal den bisherigen Mobilfunk-GSMFeldern
ausgesetzt und dann den neuen UMTS-Feldern (in einer Strahlungsstärke, wie sie beim UMTSSender im Leerlauf vorkommt).
Ergebnis: In beiden Fällen Veränderungen bei Erinnerungsvermögen, Reaktionszeit und Konzentration. Unerwartet bei UMTS (im Vergleich zu den bisherigen GSM-Feldern) fanden sich bei den Versuchspersonen
zusätzlich folgende Symptome: Schwindel, Nervosität, Kopfschmerzen, Brustschmerzen oder ein Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, Taubheitsgefühl, Kribbeln und Schwächegefühl an Körperteilen.
(Quelle: wie bei 1.))
Stellungnahme: Organisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz der Schweiz und der Schweizer Ärzteverband FMH fordern einen Stopp der UMTS-Technologie, bis deren gesundheitliche Fragen geklärt sind.
5.) Strahlung von Mobilfunksendeanlagen beeinflussen Gehirnströme (2005), Salzburg
Ergebnis: Erstmalig Nachweis, dass die Einstrahlung einer Mobilfunksendeanlage in etwa 80 Meter Entfernung zu signifikanten Veränderungen unterschiedlicher EEG-Parameter führt. Die gemessenen Veränderungen der Gehirnströme sind mit verschiedenen vegetativen und zentralnervösen Störungen, über die die Testpersonen berichten, in Zusammenhang zu bringen.
(www.salzburg.gv.at/umweltmedizin)
Internetadressen zum Thema: z.B.:
www.maes.de (allgemeine Übersicht in „Mobilfunk – Elektrosmog frei Haus)
www.IZGMF.de
Mobilfunk Ärzteappell Allgäu-Bodensee-Oberschwaben
Als Ärztinnen und Ärzte halten wir den weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes für bedenklich und appellieren an Politiker, Wissenschaftler und Verantwortliche des Bildungund
Gesundheitswesens, dem Schutz von Leben und Gesundheit von uns allen wieder den gebührenden grundgesetzlich garantierten Wert einzuräumen und sofort zu handeln.
Wir fordern nachdrücklich:
1. Kein weiterer Ausbau von Mobilfunktechnologie, denn es handelt sich um unfreiwillig eingegangene Risiken mit dauerhaften Belastungen
2. Massive Reduzierung der Grenzwerte und Funkbelastungen
3. Aufklärung der Bevölkerung über Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Felder (Handys, schnurlose (DECT)-Telefone, WLAN, bluetooth)
4. Nutzungseinschränkungen von Handys sowie Verbot von schnurlosen Telefonen nach dem DECT-Standard in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen, öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln analog dem Rauchverbot
5. Förderung von alternativen gesundheits- und umweltverträglichen Kommunikations – Technologien
Liste der Erstunterzeichner (Stand 31.10.2006) auf PDF [100 KB]
