Allgäuer Ärzte-Initiative vom 1.06.2006
06.06.2006
Pressemitteilung der Allgäuer Ärzte-Initiative vom 1.06.2006
Mobilfunk: Die “Mikrowelle” am Ohr
Es dürfte nicht viele Eltern geben, die tatenlos zuschauen, wenn ihre Kinder den Kopf in die Mikrowelle stecken. Viele freuen sich dagegen über die Möglichkeit, den Nachwuchs ständig per Handy erreichen zu können. Dummerweise können beide Anwendungen der Mikrowellenstrahlung „unangenehme“ Wirkungen haben.
Beim Informationsabend „Mobilfunk - Auswirkungen auf unser biologisches System", den die Allgäuer Ärzte-Initiative in Kempten veranstaltete, machten die Referenten mit drastischen Beispielen klar, was sie in der Mobilfunktechnik sehen: eine große Gefahr für alle. Ob Handy-Nutzer oder nicht, der elektromagnetischen Strahlung entkommt niemand.
Die Resonanz übertraf die Erwartungen der 16 einladenden Mediziner bei Weitem. Das Kornhaus war mit 600 Besuchern voll belegt, rund 200 weitere Interessenten konnten nicht mehr eingelassen werden. Dr. Markus Kern (Kempten) erklärte, dass er und seine Kollegen „nicht länger schweigen“ wollen. Wer den ärztlichen Eid ernst nehme, müsse sich zum Anwalt der Patienten machen. „Auch ich habe zu lange den Autoritäten vertraut.“
Mit dem Physiker Dr. Volker Schorpp, dem Funktechniker Ulrich Weiner, dem Arzt Dr. Horst Eger und der Ärztin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam bot die Allgäuer Ärzte-Initiative Referenten auf, die von „nicht zu verantwortenden Risiken der Mobilfunktechnik“ überzeugt sind. „Die Behauptung, es gebe unterhalb der Grenzwerte keine Probleme, ist eine Lüge.“
„Nach 20 Sekunden telefonieren mit dem Handy kommt es zu Verklumpungen der roten Blutkörperchen.“ Das ist vermutlich nicht sehr gesund, denkt sich sogar der medizinische Laie. Die Wirkungen elektrischer Hochfrequenzen seien bereits seit den 1930er-Jahren bekannt, würden aber in Bezug auf Mobilfunk ignoriert. Überhaupt: Die Experten waren sich einig in dem Vorwurf, dass Politik und Behörden ihrer Aufgabe, die Bevölkerung vor vermeidbaren Risiken zu schützen, nicht nachkommen. Angesagt seien verschweigen, vertuschen, verharmlosen.
Steht eine Röntgenuntersuchung an, dann sind strenge Vorschriften zu beachten. 72 Stunden telefonieren mit dem Handy entsprechen 1000 Röntgenuntersuchungen. Wer das Pech hat, neben einem Sendemasten zu wohnen, „erfreut“ sich einer Dauerbestrahlung. Diese führt nicht selten zu Symptomen wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Ohrgeräuschen, Schwindelgefühlen, Ängsten, depressiven Verstimmungen, Bluthochdruck.
Die Mobilfunkstrahlung bringt, so Volker Schorpp und Horst Eger, die Hormonproduktion durcheinander. Nicht nur bei Anwohnern von Mobilfunkmasten sondern auch bei Hochfrequenzstrahlung ausgesetzten Milchkühen ist eine deutliche Verringerung des Schlafhormons Melatonin festgestellt worden.
Dr. Horst Eger, Mitautor der viel beachteten „Naila-Studie“ berichtete auch über die Zunahme von Krebserkrankungen in der Nähe von Mobilfunksendemasten, bei der er und seine Kollegen nach zehnjährigem Senderbetrieb ein bis zu dreifach erhöhtes Krebserkrankungsrisiko feststellten. Die neu Erkrankten waren dabei im Schnitt über acht Jahre jünger als vor dem Senderbetrieb.
Die von der EU finanzierte REFLEX-Studie schlägt in dieselbe Kerbe und weist auf Zellebene eine erhöhte Erbgutschädigung durch die Strahlung nach.
Eine neue Studie aus Indien belegt ebenfalls eine erhöhte Anzahl von geschädigten Zellen in Menschen mit intensiver Handynutzung. Und nicht zuletzt wurde in Schweden ein erhöhtes Hirntumor-Risiko durch langjährigen Handygebrauch ermittelt.
Da Schlaganfälle bei Jugendlichen zunehmen, empfahl Eger, die Handynutzung der Betroffenen zu untersuchen. Da sei ein Zusammenhang wahrscheinlicher als mit dem immer mal wieder unterstellten Drogenkonsum.
Die Versicherungswirtschaft zieht längst ihre Schlüsse. Sie hält Hochfrequenztechnik für ein unkalkulierbares Risiko und verweigert den Mobilfunkbetreibern den Versicherungsschutz.
Die Allgäuer Ärzte-Initiative formuliert eindeutige Forderungen. „Man muss uns informieren, damit wir unsere Patienten informieren können. Wenn Ärzte systematisch schwerwiegende Erkrankungen in der Umgebung von Sendemasten finden, dann müssen die Gesundheitsämter ihrer Dienstpflicht nachkommen, Untersuchungen vor Ort einleiten und gegebenenfalls eine Abschaltung des Senders veranlassen.“
Da dies bis heute nicht geschehen ist, wurde bei dem Informationsabend eine Unterschriftenaktion initiiert, um den Druck auf den zuständigen bayrischen Minister Dr. Werner Schnappauf und Bundesumweltminister Gabriel zu erhöhen.
Dass Ärzte und Patienten dabei den Schulterschluss üben, wäre dann eine positive Nebenwirkung des Mobilfunks.
Verantwortlich:
Dr. med. Markus Kern, Am Floßerhäusle 8, 87439 Kempten,
Telefon: 0831/520 82 66 oder 520 82 44, e-Mail: praxis.markus.kern@t-online.de
